Ernährung bei Demenz und Alzheimer

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Ernährung bei Demenz und Alzheimer — was die Forschung zeigt und was im Alltag hilft

Wer einen Menschen mit Demenz begleitet, fragt sich zwei Dinge: Was soll er heute essen? Und hätte eine andere Ernährung etwas geändert? Dieser Beitrag beantwortet beides ehrlich — mit den Studien, die es dazu gibt.

Einfache Mahlzeit auf einem Holztisch: Lachs, Brokkoli und Spinat, dazu Heidelbeeren, Baumnüsse und ein Glas Wasser
★ Kurz gesagt

Drei Sätze vorab

  • Kein Lebensmittel verhindert Demenz. Wer das verspricht, verspricht zu viel.
  • Ein Ernährungsmuster hängt mit einem langsameren geistigen Abbau zusammen: viel Blattgemüse, Beeren, Nüsse, Fisch und Olivenöl. Der Beweis in einer grossen Interventionsstudie steht aber aus.
  • Wenn die Demenz schon da ist, zählt vor allem, dass genug gegessen und getrunken wird. Mangelernährung und zu wenig Flüssigkeit sind die häufigeren Probleme als die falschen Lebensmittel.
★ Was die Studien zeigen

Kann Ernährung Alzheimer vorbeugen?

Die bekannteste Spur ist das MIND-Muster, eine Mischung aus Mittelmeerküche und der blutdrucksenkenden DASH-Ernährung. In einer Langzeitbeobachtung mit 960 älteren Menschen in Chicago bauten jene, die am ehesten so assen, über rund fünf Jahre geistig deutlich langsamer ab — der Unterschied entsprach etwa 7,5 Lebensjahren. In derselben Kohorte gab es in dieser Gruppe auch etwa halb so viele neue Alzheimer-Diagnosen. Eine Auswertung von elf Kohorten mit über 220 000 Menschen fand denselben Zusammenhang, wenn auch schwächer: rund ein Sechstel weniger Demenzfälle bei jenen, die am ehesten nach MIND assen.

Das ist ein Zusammenhang, kein Beweis. Menschen, die so essen, leben oft auch sonst gesünder. Deshalb wurde das Muster 2023 in einer randomisierten Studie geprüft: 604 Personen mit Demenz in der Familie assen drei Jahre lang entweder nach MIND oder nach einer Vergleichsdiät, beide mit leicht reduzierten Kalorien. Das Denkvermögen verbesserte sich in beiden Gruppen — ein Unterschied zwischen ihnen zeigte sich nicht.

Anders fiel eine spanische Studie aus: 334 ältere Menschen mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko assen rund vier Jahre lang Mittelmeerküche mit extra Olivenöl oder Nüssen. Ihre Denkleistung hielt sich besser als in der Vergleichsgruppe mit fettarmer Kost, deren Werte nachliessen.

Etwas besser sieht es aus, wenn Ernährung nicht allein steht. In der finnischen FINGER-Studie erhielten 1260 Menschen mit erhöhtem Risiko zwei Jahre lang Ernährungsberatung, Bewegung, Gedächtnistraining und eine Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker. Ihre Denkleistung entwickelte sich messbar etwas besser als in der Vergleichsgruppe.

Die Lancet-Kommission zu Demenz nennt 14 beeinflussbare Risikofaktoren, darunter Bluthochdruck, Diabetes, hohes LDL-Cholesterin, Übergewicht und viel Alkohol. Ernährung wirkt auf mehrere davon — und das ist der ehrlichste Grund, sie ernst zu nehmen.

Am besten belegt ist der Blutdruck. In zwölf randomisierten Studien mit über 92 000 Menschen senkte eine Blutdrucksenkung mit Medikamenten das Risiko für Demenz oder geistige Beeinträchtigung leicht, aber messbar. Weniger Salz und eine Ernährung nach dem DASH-Muster senken den Blutdruck nachweislich — hier kann Ernährung ganz konkret mithelfen.

★ Das MIND-Muster

Was auf den Teller kommt

Das Muster ist kein Diätplan, sondern eine Richtung. Es zählt, was an den meisten Tagen gegessen wird, nicht die einzelne Mahlzeit.

Fast täglich

Blattgemüse

Federkohl, Spinat, Salate. Sie liefern Folat, Vitamin K und Lutein.

Mehrmals pro Woche

Beeren

Vor allem Heidelbeeren. In einer Studie mit über 16 000 älteren Frauen ging mehr Beeren-Verzehr mit einem um bis zu zweieinhalb Jahre verzögerten geistigen Altern einher.

Ein- bis zweimal pro Woche

Fetter Fisch

Sardine, Makrele, Hering, Lachs. Sie bringen DHA, eine Omega-3-Fettsäure, die ein Baustein der Nervenzellen ist.

Als Grundlage

Nüsse, Hülsenfrüchte, Olivenöl

Eine Handvoll Baumnüsse, Linsen oder Bohnen mehrmals pro Woche, Olivenöl als Standardfett, dazu Vollkorn statt Weissmehl.

Weniger davon: Süssigkeiten und Gebäck, frittierte Speisen, Butter und Margarine in grossen Mengen, fettiger Käse, rotes und verarbeitetes Fleisch. Das sind die Gruppen, die im MIND-Muster Punkte kosten. Stark verarbeitete Lebensmittel fallen ebenfalls auf: In zehn Beobachtungsstudien mit über 860 000 Menschen hatten jene mit dem höchsten Anteil davon ein rund 44 Prozent höheres Demenzrisiko — auch das ein Zusammenhang, kein Beweis.

★ Für Angehörige

Was soll ein Mensch mit Demenz essen?

Mit fortschreitender Demenz verschiebt sich die Frage. Es geht weniger um das ideale Lebensmittel als darum, dass überhaupt genug gegessen wird. Viele Betroffene verlieren Gewicht: Sie vergessen zu essen, erkennen das Essen nicht mehr als Essen, können Besteck schlechter führen oder schmecken anders als früher.

Die europäische Leitlinie der Fachgesellschaft ESPEN empfiehlt deshalb, Gewicht und Trinkmenge regelmässig zu kontrollieren, beim Essen zu unterstützen, passendes Besteck und Geschirr anzubieten und auf die Mundgesundheit zu achten. Was im Alltag oft hilft:

  • Feste Zeiten und ein ruhiger Tisch. Wenig Ablenkung, kein laufender Fernseher, genug Zeit.
  • Gemeinsam essen. Wer sieht, wie jemand isst, isst oft mit.
  • Eine Sache nach der anderen. Ein voller Teller mit vielen Komponenten überfordert schneller als ein Gang nach dem anderen.
  • Fingerfood. Gemüsesticks, kleine Omelettstücke, Fischstäbchen aus dem Ofen oder Brotwürfel lassen sich ohne Besteck essen und erhalten Selbstständigkeit.
  • Lieblingsspeisen und kräftiger Geschmack. Der Geschmackssinn lässt nach; vertraute Gerichte und etwas mehr Würze werden eher gegessen.
  • Kleine Portionen, dafür öfter. Mehrere kleine Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten sind leichter als drei grosse.
  • Weiche Konsistenz, wenn das Kauen oder Schlucken schwerfällt. Bei häufigem Verschlucken gehört das in ärztliche oder logopädische Abklärung.

Trinknahrung aus der Apotheke kann helfen, wenn jemand deutlich abnimmt. Sie verbessert den Ernährungszustand — das Gedächtnis verbessert sie nicht, und die Leitlinie empfiehlt sie auch nicht dafür.

★ Trinken

Genug trinken — das unterschätzte Problem

Mit dem Alter meldet sich der Durst später, und bei Demenz wird das Trinken zusätzlich vergessen. Zu wenig Flüssigkeit kann verwirrter und müder machen und Stürze begünstigen. Schon leichter Flüssigkeitsmangel verschlechtert Aufmerksamkeit und Denkleistung messbar, ab etwa zwei Prozent Wasserverlust des Körpergewichts deutlicher. Das kann eine Demenz schlechter aussehen lassen, als sie ist.

  • Getränke sichtbar und in Reichweite hinstellen, gut greifbare Becher statt schwerer Gläser.
  • Zu jeder Mahlzeit und zwischendurch aktiv anbieten, nicht auf den Wunsch warten.
  • Auch Suppen, wasserreiches Obst und Joghurt zählen mit.
  • Wie viel jemand trinken soll, hängt von Herz und Nieren ab. Das gehört in das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt.
★ Lebensmittel mit Rang

Welche Lebensmittel das Gehirn am besten versorgen

In der Food Secrets App bewertet der Rang Gehirn & Kognition über 1000 Lebensmittel danach, was sie für Nerven und Denken mitbringen: Omega-3 mit DHA, Anthocyane aus Beeren, Vitamin E, Folat und die B-Vitamine, dazu entzündungshemmende Stoffe, ein gutes Mikrobiom und – wie im MIND-Muster – der Blutdruck. Zucker, gesättigte Fette, Alkohol und starke Verarbeitung kosten Punkte.

  • Top 10: die schwarze Holunderbeere, Baumnüsse, Sardinen und Chiasamen.
  • Top 20: Makrele, Hering, Lachs, Heidelbeeren und Leinsamen.
  • Top 50: Federkohl, Brokkoli und Brombeeren.
  • Top 100: Spinat und Himbeeren.

Zwei Dinge fallen auf. Rapsöl liegt knapp vor Olivenöl, weil es pflanzliches Omega-3 mitbringt. Olivenöl bleibt trotzdem ein gutes Standardfett. Und Hülsenfrüchte liegen im Mittelfeld — sie gehören zum MIND-Muster wegen Ballaststoffen und Eiweiss, nicht wegen besonderer Stoffe für das Gehirn.

Die ganze Rangliste mit allen Werten findest du auf der Seite Gehirn & Kognition und in den Food Rankings.

★ Zum Nachkochen

Das MIND-Muster auf einem Teller

Fetter Fisch, Blattgemüse und Nüsse: Der Ofenlachs mit Grünkohl, Baumnüssen und Dill verbindet drei Gruppen des MIND-Musters in einem Gericht. In 25 Minuten fertig, für das Ziel Gehirn & Kognition in den Top 100.

Food Secrets App

Aus Wissen einen Wochenplan machen

Für Angehörige ist nicht das Wissen der schwierige Teil, sondern jeden Tag etwas auf den Tisch zu bringen, das gegessen wird.

Rang Gehirn & Kognition Über 1000 Lebensmittel nach diesem Ziel sortiert. Omega-3 aus Fisch und aus Pflanzen fliesst in den Rang ein.
Rezepte importieren Rezepte aus dem Web mit einem Tipp übernehmen. Die App zeigt, welche Zutat dem Ziel am meisten bringt.
Wochenplan & Erinnerungen Mahlzeiten für die Woche planen und an feste Essenszeiten erinnern lassen.
Einkaufsliste & Kochmodus Die Zutaten landen mit einem Tipp auf der Einkaufsliste, gekocht wird Schritt für Schritt.

Häufige Fragen — Ernährung bei Demenz

Welche Ernährung ist bei Demenz am besten?

Es gibt keine Demenz-Diät, die die Krankheit aufhält. Am besten untersucht ist das MIND-Muster mit Blattgemüse, Beeren, Nüssen, Fisch, Hülsenfrüchten und Olivenöl. Wenn die Demenz schon besteht, ist das Wichtigste, dass genug gegessen und getrunken wird — vertraute Gerichte, kleine Portionen und Unterstützung am Tisch. In der Food Secrets App findest du alle Lebensmittel nach dem Ziel Gehirn & Kognition sortiert.

Kann man mit Ernährung Demenz vorbeugen?

Eine Garantie gibt es nicht. In Beobachtungsstudien hängt das MIND-Muster mit einem langsameren geistigen Abbau und weniger Alzheimer-Diagnosen zusammen. Eine dreijährige randomisierte Studie fand 2023 aber keinen Vorteil gegenüber einer Vergleichsdiät. Ernährung wirkt eher über Blutdruck, Blutzucker und Gewicht — und die sind nachweislich Risikofaktoren. Die Rangliste Gehirn & Kognition zeigt, welche Lebensmittel dafür am meisten mitbringen.

Was soll ein Mensch mit Demenz essen, der kaum noch isst?

Lieblingsspeisen, kleine Portionen über den Tag verteilt, Fingerfood und kräftiger Geschmack helfen oft. Gemeinsam essen und genug Zeit lassen ist wichtiger als die perfekte Zusammensetzung. Bei deutlichem Gewichtsverlust gehört das in ärztliche Abklärung; Trinknahrung kann den Ernährungszustand verbessern. Mit der Food Secrets App importierst du vertraute Rezepte und planst sie für die Woche.

Hilft Omega-3 als Kapsel bei Alzheimer?

Nach heutigem Stand nicht. Die europäische Leitlinie ESPEN empfiehlt Omega-3-Kapseln bei Demenz ausdrücklich nicht routinemässig, ebenso wenig eine ketogene Diät. In Beobachtungsstudien ging mehr Omega-3 aus der Nahrung, vor allem DHA, mit rund 20 Prozent weniger Demenz oder geistigem Abbau einher. Fetter Fisch ein- bis zweimal pro Woche bleibt trotzdem sinnvoll, weil er mehr liefert als eine einzelne Fettsäure. Welche Fische am meisten DHA bringen, zeigt die Food Secrets App.

Wie viel sollte ein Mensch mit Demenz trinken?

Das hängt vom Körpergewicht, von Herz und Nieren ab und sollte mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden. Wichtiger als eine Zahl ist, Getränke sichtbar hinzustellen und regelmässig anzubieten, denn das Durstgefühl lässt im Alter nach. Suppen, wasserreiches Obst und Joghurt zählen mit. Wasserreiche Lebensmittel findest du im Food Lab der Food Secrets App.

Welche Lebensmittel sind schlecht für das Gehirn?

Im MIND-Muster kosten Süssigkeiten und Gebäck, Frittiertes, viel Butter, fettiger Käse sowie rotes und verarbeitetes Fleisch Punkte. Auch viel Alkohol ist ein anerkannter Risikofaktor für Demenz. Ein generelles Verbot ist nicht nötig; es geht darum, was an den meisten Tagen auf dem Teller liegt. Wie jedes Lebensmittel für das Gehirn abschneidet, zeigt die Rangliste Gehirn & Kognition.

Studien

  • Morris MC, Tangney CC, Wang Y, et al. MIND diet slows cognitive decline with aging. Alzheimers Dement 2015;11(9):1015–1022. doi:10.1016/j.jalz.2015.04.011
  • Morris MC, Tangney CC, Wang Y, et al. MIND diet associated with reduced incidence of Alzheimer's disease. Alzheimers Dement 2015;11(9):1007–1014. doi:10.1016/j.jalz.2014.11.009
  • Chen H, Dhana K, Huang Y, et al. Association of the MIND Diet With the Risk of Dementia. JAMA Psychiatry 2023;80(6):630–638. doi:10.1001/jamapsychiatry.2023.0800
  • Barnes LL, Dhana K, Liu X, et al. Trial of the MIND Diet for Prevention of Cognitive Decline in Older Persons. N Engl J Med 2023;389(7):602–611. doi:10.1056/NEJMoa2302368
  • Valls-Pedret C, Sala-Vila A, Serra-Mir M, et al. Mediterranean Diet and Age-Related Cognitive Decline: A Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med 2015;175(7):1094–1103. doi:10.1001/jamainternmed.2015.1668
  • Ngandu T, Lehtisalo J, Solomon A, et al. A 2 year multidomain intervention of diet, exercise, cognitive training, and vascular risk monitoring versus control to prevent cognitive decline in at-risk elderly people (FINGER). Lancet 2015;385:2255–2263. doi:10.1016/S0140-6736(15)60461-5
  • Hughes D, Judge C, Murphy R, et al. Association of Blood Pressure Lowering With Incident Dementia or Cognitive Impairment: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA 2020;323(19):1934–1944. doi:10.1001/jama.2020.4249
  • Sacks FM, Svetkey LP, Vollmer WM, et al. Effects on blood pressure of reduced dietary sodium and the Dietary Approaches to Stop Hypertension (DASH) diet. N Engl J Med 2001;344(1):3–10. doi:10.1056/NEJM200101043440101
  • Devore EE, Kang JH, Breteler MM, Grodstein F. Dietary intakes of berries and flavonoids in relation to cognitive decline. Ann Neurol 2012;72(1):135–143. doi:10.1002/ana.23594
  • Wei BZ, Li L, Dong CW, et al. The Relationship of Omega-3 Fatty Acids with Dementia and Cognitive Decline: Evidence from Prospective Cohort Studies of Supplementation, Dietary Intake, and Blood Markers. Am J Clin Nutr 2023;117(6):1096–1109. doi:10.1016/j.ajcnut.2023.04.001
  • Henney AE, Gillespie CS, Alam U, et al. High intake of ultra-processed food is associated with dementia in adults: a systematic review and meta-analysis of observational studies. J Neurol 2024;271(1):198–210. doi:10.1007/s00415-023-12033-1
  • Wittbrodt MT, Millard-Stafford M. Dehydration Impairs Cognitive Performance: A Meta-analysis. Med Sci Sports Exerc 2018;50(11):2360–2368. doi:10.1249/MSS.0000000000001682
  • Volkert D, Beck AM, Faxén-Irving G, et al. ESPEN guideline on nutrition and hydration in dementia – Update 2024. Clin Nutr 2024. doi:10.1016/j.clnu.2024.04.039
  • Livingston G, Huntley J, Liu KY, et al. Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. Lancet 2024. doi:10.1016/S0140-6736(24)01296-0

Die Rang-Angaben stammen aus dem Food-Secrets-Katalog (über 1000 Lebensmittel, Rang Gehirn & Kognition) und sind als Bereiche angegeben, nicht als genaue Platzierung.

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Hinweis: Die Informationen ersetzen keine medizinische Beratung. Besprich Ernährung, Gewichtsverlust und Trinkmenge bei Demenz immer mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

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